Eine eingetragene Risiko-Nummer im Mutterpass kann auf den ersten Blick beunruhigen. Entscheidend ist jedoch, dass der Katalog B keine Bewertungsskala ist, sondern eine standardisierte Liste besonderer Befunde im aktuellen Schwangerschaftsverlauf. Ich zeige, wofür die Nummern 27 bis 52 stehen, wie du einen Eintrag richtig einordnest und wann du in der Praxis gezielt nachfragen solltest.
Die Nummer beschreibt einen Befund und nicht automatisch eine gefährliche Schwangerschaft
- Katalog B erfasst Besonderheiten, die während der aktuellen Schwangerschaft auftreten.
- Die Zahlen 27 bis 52 sind keine Rangfolge. Eine höhere Nummer bedeutet nicht mehr Risiko.
- Die genaue Bedeutung ergibt sich oft erst aus dem Zusatz im Mutterpass und dem Schwangerschaftszeitpunkt.
- Ein Eintrag wie 43 steht beispielsweise für einen Harnwegsinfekt und sagt allein nichts über den Schweregrad aus.
- Bei 52 muss die konkrete Besonderheit handschriftlich oder im Kommentarfeld ergänzt werden.
Was die Risiko-Nummer nach Katalog B im Mutterpass wirklich bedeutet
Die Rubrik „Risiko-Nr. nach Katalog B“ gehört zum Gravidogramm. Dort werden während der Vorsorge unter anderem Schwangerschaftswoche, Blutdruck, Gewicht, Urinbefund und besondere Maßnahmen dokumentiert. Taucht dort eine Nummer auf, verweist sie auf einen Befund, der für die weitere Betreuung relevant sein kann.
Ich halte einen Punkt für besonders wichtig: Die Nummer ist kein Schulnotensystem. Die 52 ist nicht automatisch gefährlicher als die 28, und die 35 bedeutet nicht, dass eine Geburt problematisch verlaufen muss. Die Zahl hilft Ärztinnen, Ärzten, Hebammen und einer Geburtsklinik, wichtige Informationen schnell zu erkennen.
Katalog B bezieht sich auf Besonderheiten im Verlauf der aktuellen Schwangerschaft. Katalog A betrifft dagegen vor allem Risiken aus der Vorgeschichte, etwa frühere Schwangerschaftskomplikationen, Operationen oder bestimmte Erkrankungen. Beide Kataloge können unabhängig voneinander Einträge enthalten.
Die Nummern 27 bis 52 im Überblick

Die folgende Übersicht entspricht der üblichen Einteilung im Mutterpass. Die kurze Erläuterung dient der Orientierung und ersetzt nicht die individuelle Erklärung durch die behandelnde Praxis.
| Nummer | Bezeichnung im Katalog B | Was damit gemeint sein kann |
|---|---|---|
| 27 | Behandlungsbedürftige Allgemeinerkrankungen | Eine Erkrankung der Mutter, die in der Schwangerschaft besondere Behandlung oder Kontrolle erfordert. |
| 28 | Dauermedikation | Regelmäßig eingenommene Medikamente, deren Nutzen und Dosierung in der Schwangerschaft geprüft werden. |
| 29 | Abusus | Ein älterer medizinischer Begriff für schädlichen oder problematischen Gebrauch von Substanzen. Der konkrete Zusammenhang sollte immer erklärt werden. |
| 30 | Besondere psychische Belastung | Eine seelische Situation, die zusätzliche Unterstützung oder engmaschigere Betreuung sinnvoll macht. |
| 31 | Besondere soziale Belastung | Zum Beispiel fehlende Unterstützung, schwierige Wohnverhältnisse oder andere soziale Faktoren mit Einfluss auf die Versorgung. |
| 32 | Blutungen vor der 28. SSW | Vaginale Blutungen in der ersten oder zweiten Schwangerschaftshälfte. |
| 33 | Blutungen nach der 28. SSW | Blutungen im späteren Schwangerschaftsverlauf, die immer ärztlich eingeordnet werden müssen. |
| 34 | Placenta praevia | Die Plazenta liegt sehr tief und kann den inneren Muttermund teilweise oder vollständig erreichen. |
| 35 | Mehrlingsschwangerschaft | Eine Schwangerschaft mit Zwillingen oder mehreren Kindern, die meist zusätzliche Kontrollen erfordert. |
| 36 | Hydramnion | Eine überdurchschnittlich große Fruchtwassermenge, auch Polyhydramnion genannt. |
| 37 | Oligohydramnie | Eine verringerte Fruchtwassermenge, die je nach Schwangerschaftswoche und Ursache kontrolliert wird. |
| 38 | Terminunklarheit | Der errechnete Geburtstermin lässt sich nicht sicher bestimmen oder musste korrigiert werden. |
| 39 | Placenta-Insuffizienz | Hinweise darauf, dass die Plazenta das Kind möglicherweise nicht optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. |
| 40 | Isthmozervikale Insuffizienz | Eine Schwäche oder vorzeitige Verkürzung des Gebärmutterhalses. |
| 41 | Vorzeitige Wehentätigkeit | Wehen oder Kontraktionen, die vor dem erwarteten Geburtstermin auftreten und beurteilt werden müssen. |
| 42 | Anämie | Blutarmut, meist im Zusammenhang mit einem zu niedrigen Hämoglobinwert. |
| 43 | Harnwegsinfektion | Eine Infektion der Harnwege, die in der Schwangerschaft behandelt werden sollte. |
| 44 | Indirekter Coombstest positiv | Im Blut wurden Antikörper gefunden, die für die Blutgruppenverträglichkeit von Bedeutung sein können. |
| 45 | Risiko aus anderen serologischen Befunden | Ein auffälliger oder besonderer Blutbefund, der nicht unter Nummer 44 fällt. |
| 46 | Hypertonie | Bluthochdruck in der Schwangerschaft, im Katalog mit einem Blutdruck über 140/90 mmHg beschrieben. |
| 47 | Pathologische Eiweißausscheidung | Eiweiß im Urin in einer Menge oder Kombination, die ärztlich kontrolliert werden muss. |
| 48 | Mittelgradige bis schwere Ödeme | Deutlich ausgeprägte Wassereinlagerungen, besonders wenn weitere Beschwerden hinzukommen. |
| 49 | Hypotonie | Niedriger Blutdruck, der vor allem bei Schwindel, Kreislaufproblemen oder Ohnmacht relevant wird. |
| 50 | Gestationsdiabetes | Schwangerschaftsdiabetes. Im Mutterpass kann zusätzlich vermerkt werden, ob Vor- oder Diagnosetest auffällig waren. |
| 51 | Einstellungsanomalie | Eine besondere Lage oder Einstellung des Kindes, beispielsweise eine Beckenendlage zu einem bestimmten Zeitpunkt. |
| 52 | Andere Besonderheiten | Ein Befund, der nicht in die übrigen Kategorien passt und im Kommentarfeld genauer beschrieben werden muss. |
Warum dieselbe Nummer unterschiedlich wichtig sein kann
Eine Nummer steht nie völlig losgelöst von der Schwangerschaftswoche und den übrigen Befunden. Ein Beispiel ist Nummer 43. Ein unkomplizierter Harnwegsinfekt, der rasch behandelt wird, hat eine andere Bedeutung als eine unbehandelte Infektion mit Fieber oder Nierenbeteiligung.
Auch Nummer 51 darf nicht vorschnell interpretiert werden. Eine Beckenendlage in der Mitte der Schwangerschaft ist nicht dasselbe wie eine Beckenendlage kurz vor der Geburt. Das Kind kann seine Position noch verändern, deshalb zählt immer der Zeitpunkt des Eintrags.
Bei Nummer 50 ist entscheidend, ob nur ein Vortest auffällig war oder ob der diagnostische Test die Diagnose eines Gestationsdiabetes bestätigt hat. Daraus können sich unterschiedliche Empfehlungen für Ernährung, Blutzuckerkontrollen und weitere Untersuchungen ergeben.
Besonders häufig sorgt Nummer 52 für Unsicherheit. Sie bedeutet lediglich „andere Besonderheiten“. Dahinter kann eine harmlose, vorübergehende Beobachtung stehen, aber auch ein Befund, den die Ärztin oder der Arzt genauer überwachen möchte. Ohne den Zusatz lässt sich die Nummer nicht seriös deuten.
So liest du den Eintrag im Gravidogramm richtig
Schau nicht nur auf die Zahl, sondern auf den gesamten Eintrag in derselben Zeile. Im Feld „Sonstiges, Therapie, Maßnahmen“ können zusätzliche Informationen stehen, etwa ein Medikament, eine Kontrolluntersuchung oder eine Empfehlung für die nächste Vorstellung.
Hilfreich sind drei Fragen, die ich bei unklaren Einträgen immer zuerst klären würde:
- Welcher konkrete Befund steckt hinter der Nummer?
- Ist er bereits behandelt oder nur zur Beobachtung eingetragen?
- Welche Kontrolle oder Maßnahme folgt daraus?
Manchmal wird eine Nummer bei mehreren Vorsorgeterminen wiederholt. Das heißt nicht zwingend, dass sich der Zustand verschlechtert hat. Oft dokumentiert die Praxis damit einfach, dass der Befund weiterhin bekannt ist und bei der Betreuung berücksichtigt wird.
Der Mutterpass ist außerdem kein vollständiger Arztbrief. Ein kurzer Vermerk wie „50“ oder „52“ kann wichtige Details auslassen, die im Gespräch, im Befundbericht oder in der elektronischen Dokumentation stehen. Bei widersprüchlichen Angaben zählt die direkte Rückfrage in der Praxis mehr als eine allgemeine Liste im Internet.
Wann du zeitnah nachfragen oder sofort Hilfe holen solltest
Bei einem neuen Eintrag solltest du dir erklären lassen, was er konkret bedeutet. Das gilt besonders bei Blutungen, erhöhtem Blutdruck, starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, plötzlich zunehmenden Ödemen, Fieber, Fruchtwasserabgang oder regelmäßigen vorzeitigen Wehen.
Solche Beschwerden sollten nicht bis zum nächsten routinemäßigen Termin warten. Je nach Stärke und Schwangerschaftswoche sind Frauenarztpraxis, Hebamme, Kreißsaal oder der ärztliche Bereitschaftsdienst die richtigen Anlaufstellen. Bei starken Blutungen, heftigen Schmerzen, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder einem akuten Notfall gilt der Notruf.
Eine einzelne Risiko-Nummer ist dagegen normalerweise kein Grund zur Panik. Sie zeigt zunächst nur, dass ein Befund dokumentiert wurde. Ob daraus zusätzliche Ultraschalluntersuchungen, Blutkontrollen, eine Therapie oder lediglich eine Verlaufskontrolle entstehen, hängt von der individuellen Situation ab.
Was du beim nächsten Termin konkret klären kannst
Wenn du eine Nummer im Mutterpass entdeckst, nimm den Pass zum nächsten Termin mit und markiere die betreffende Zeile. Das erleichtert das Gespräch und verhindert, dass eine kleine, aber wichtige Frage untergeht.
- Bitte um die vollständige Bezeichnung des Befunds.
- Frage, ob es sich um einen aktuellen Befund oder um einen bereits bekannten Eintrag handelt.
- Lass dir erklären, ob eine Behandlung, eine zusätzliche Untersuchung oder nur Beobachtung notwendig ist.
- Notiere, bei welchen Beschwerden du dich früher melden solltest.
Ich finde außerdem sinnvoll, nach dem zeitlichen Plan zu fragen. Eine klare Aussage wie „Kontrolle in zwei Wochen“ oder „bei diesen Beschwerden sofort melden“ ist für die eigene Sicherheit wesentlich hilfreicher als die Nummer allein.
Eine Zahl im Mutterpass wird erst durch den Befund verständlich
Die Risiko-Nummern nach Katalog B sind vor allem ein Kommunikations- und Dokumentationssystem. Sie helfen dem betreuenden Team, relevante Besonderheiten schnell zu erkennen, sagen aber ohne Kontext nur wenig über den weiteren Verlauf aus.
Prüfe deshalb immer die Nummer zusammen mit Schwangerschaftswoche, Zusatztext, Untersuchungsergebnissen und den Empfehlungen deiner behandelnden Fachpersonen. So wird aus einem beunruhigenden Kürzel eine verständliche Information, mit der du die nächsten Schritte sicherer einordnen kannst.
